Krise im Einzelhandel – Jetzt braucht es Mut zur Kurskorrektur

 Wenn die Innenstadt stirbt, stirbt auch wirtschaftliche Vielfalt – was jetzt zu tun ist

Altstadt mit Kopfsteinpflaster und historischen Gebäuden in einer deutschen Fußgängerzone, gesäumt von kleinen Läden, Modegeschäften und leeren Bänken, bei bewölktem Himmel

70.000 Geschäfte verschwinden in zehn Jahren – ein dramatischer Strukturwandel im Einzelhandel. Die Gründe sind vielfältig, aber die Konsequenzen treffen uns alle. Aus Sicht des Mittelstands und der anwaltlichen Praxis ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um zu handeln: politisch, strategisch, rechtlich.

Der stille Abschied vom Einzelhandel

Der Handelsverband Deutschland (HDE) schlägt Alarm: Rund 70 Prozent der stationären Einzelhändler klagen über rückläufige Frequenzen. Für das Jahr 2025 werden über 4.500 weitere Schließungen erwartet. Die Ursachen? Verändertes Konsumverhalten, Onlinekonkurrenz – und ein Staat, der nicht gegensteuert.

Mittelständische Perspektive: Der Rückzug ist teuer

Was viele übersehen: Diese Entwicklung ist nicht nur eine Folge von Marktlogik – sie ist auch das Ergebnis politischer Untätigkeit. Bürokratie, hohe Energiekosten, fehlende steuerliche Anreize für Investitionen und städtische Verödung treffen kleine und mittlere Unternehmen besonders hart. Gerade inhabergeführte Läden geben häufig schlicht auf, ohne überhaupt eine Insolvenz zu beantragen.

Aus Mittelstandssicht ist zu fordern:

  • Entlastung bei Strom- und Mietkosten
  • steuerliche Förderung von Investitionen in Digitalisierung und Infrastruktur
  • Stadtentwicklungsprogramme, die Handel, Gastronomie und Kultur gemeinsam denken

Anwaltliche Perspektive: Die Unsichtbarkeit der Abwicklung

Aus juristischer Sicht ist ein weiteres Problem die zunehmende „informelle Marktbereinigung“. Unternehmen schließen, ohne Sanierung oder Insolvenz – ein Indiz für mangelnde rechtliche Beratung oder fehlenden Zugang zu Restrukturierungsoptionen. Das ist gefährlich, weil es Gläubiger benachteiligt, Geschäftsmodelle ungesehen verschwinden lässt und keine Chance auf Weiterverwertung oder Übergabe besteht.

Was rechtlich notwendig ist:

  • Bessere Information über Sanierungsmöglichkeiten (z.B. durch das StaRUG)
  • Förderung frühzeitiger Compliance- und Krisenindikatoren
  • Verpflichtende Beratung durch qualifizierte Restrukturierungsexperten bei Geschäftsaufgabe

Politik in der Verantwortung

Der Rückzug des Handels aus den Innenstädten ist keine Naturkatastrophe. Politik kann steuern – durch steuerliche Anreize, Infrastrukturmaßnahmen und klare Rahmenbedingungen. Der Verzicht auf versprochene Entlastungen (z. B. Stromsteuer) sendet laut HDE-Präsident von Preen fatale Signale.

Der Einzelhandel ist kein Anachronismus – er ist Teil unseres gesellschaftlichen Miteinanders. Wer den Mittelstand stärken will, muss jetzt handeln: rechtlich, politisch, strukturell.

Handlungsempfehlungen:

  • Innenstädte als Erlebnisräume fördern
  • Insolvenzvermeidung durch rechtliche Frühberatung ausbauen
  • Planungssicherheit durch verlässliche politische Maßnahmen