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Compliance im Sport


Doping und Compliance im Sport sind präsente Themen. Der Reiz, mittels Medikamenten leistungsfähiger zu werden, ist präsent.

Doping im Sport ist ein Stück weit mit der Korruption in der Geschäftswelt vergleichbar. Im Sport können Compliance-Regeln allerdings besser durchgesetzt werden, denn hier werden ganze Verbände ausgeschlossen. Bei der Korruption in Unternehmen jedoch werden lediglich einzelne Personen bestraft. Die Unternehmen gehen (noch) straffrei aus.

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Sinkendes Vertrauen in den Sport

Das Vertrauen in den Sport und in sportliche Großveranstaltungen ist gesunken. Die Skandale um FIFA, UEFA, Radsport, Leichtathletik und Doping sind (mit-)verantwortlich für ein Scheitern der Olympiabewerbung in Deutschland. Es hat sich einiges angehäuft: spektakuläre Verhaftungen von Fußball-Funktionären, europäische Spiele in Baku einhergehend mit Menschenrechtsverletzungen gegenüber Andersdenkenden und Einreiseverboten für kritische Journalisten sowie Aufdeckung korrupter Vertuschung von Dopingfällen im internationalen Leichtathletik-Verband IAAF. Football-Leaks enthüllte jüngst weitere schmutzige Geschäfte, u.a. Steuer-Tricksereien der Superstars im Fussball. Die Liste wäre mühelos fortzuführen. So viel Krise war im Sport noch nie! Die Defizite der nationalen und internationalen Sportführung stellen die Leistungen von Athletinnen und Athleten in den Schatten. Das gilt auch für die Leistung tausender Ehrenamtlicher in den Sportvereinen.

Besser sein um jeden Preis

Schneller, höher, weiter: Der Siegeswille treibt den Sportler an, der wirtschaftliche Erfolg den Manager. Erfolg und Anerkennung können allerdings auch Nährboden für Korruption sein. So werden Schiedsrichter und Sportler bestochen oder Funktionäre und Politiker geschmiert. Es bedarf einer neuen Wertekultur und der Rückbesinnung auf alte Werte – gerade im Sport.

Nur der deutsche Fußball leidet (scheinbar noch) nicht. Das gekaufte Sommermärchen 2006 wird immer noch damit abgetan, dass die anderen doch noch schlimmer gewesen sind als wir Deutschen. Mittlerweile hat aber auch das amerikanische FBI die Ermittlungen in diesem Fall aufgenommen und stuft die Vorgänge um die Vergabe der WM 2006 nach Deutschland auf Platz 3 der Korruptionsrangliste ein. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wird früher oder später auch der Fußball unter Korruption, Steuertricksereien, Doping und Bestechung leiden.

Keine Unrechtskultur?

Neben den Skandalen um die WM 2006 sei hier aus jüngerer Zeit der Verbleib von Uli Hoeneß als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München genannt – selbst bei laufendem Strafverfahren. Nächstes Beispiel: die Verknüpfung von Bandenwerbung für den VFL Wolfsburg mit möglichen Aufträgen im Bereich Telekommunikation, ganz zu schweigen von undurchsichtigen Spielertransfers mit „Handgeldern“ und Verdienern auf allen Seiten. Dies hat eher mit Menschenhandel als mit Compliance zu tun.

Um den Fußball zu retten und das Vertrauen in andere Großorganisationen wie das IOC wiederherzustellen, sind dringend Reformen notwendig. Ernsthaft müssen sie sein und nicht als Papiertiger in die Sportwelt treten.

Umdenken ist nötig

Das ist eine Herausforderung, denn die internationalen Sportorganisationen mit ihrer Verbandsstruktur, der engen Verquickung mit Politik, Wirtschaft und Medien, einer Geschenke- und Einladungs-Kultur par excellence sowie der Attitüde, man setze sich für das Gute ein und sei deswegen unangreifbar, lassen sich nicht von heute auf morgen grundlegend ändern. Hinzu kommt, dass viele Journalisten dem Sport schon seit jeher unkritisch gegenüberstanden und jetzt eine Enttäuschung spüren, mit der umzugehen sie sich schwertun. Sie übersehen, dass Politik, Wirtschaft und die Medien selbst erst allmählich beginnen, konsequent gegen Interessenkonflikte und Korruption in den eigenen Reihen vorzugehen. Der Sport verkörpert nicht das Böse schlechthin, er hinkt bei der Aufklärung allenfalls hinterher. Man muss diese Vorgänge anprangern und umgehende Verbesserungen verlangen. Dabei darf man aber auch nicht die Bemühungen übersehen, die bereits gemacht werden.

Eine Neubesinnung bzw. Neuorientierung des Sports geht alle an. Auch der kleine Sportverein ist Teil einer großen Struktur bzw. orientiert sich daran oder grenzt sich von ihr ab.

Träge Organisationsstrukturen

Die Kritik an überkommenen und teils korrupten Großorganisationen sowie das Fördern neuer Strukturen schließen sich nicht aus. Bestehende Organisationsstrukturen, die sich für unangreifbar halten, sich aufrichtig dem Sport und dem Fairplay verschrieben haben, sollten angesichts der aufgekommenen Diskussionen auch die eigenen Strukturen hinterfragen.

Compliance bedeutet kurz gesagt die Einhaltung von Regeln und Gesetzen. Das beinhaltet nicht nur die Regeltreue wie beim Fairplay, dem zentralen Wert des Sports, sondern auch die Einhaltung selbst auferlegter Richtlinien, die dort gelten sollen, wo mögliche Risiken wie Korruption, Bestechung, Wettbetrug etc. gelten könnten.

Wertewelten maximieren – Risiken minimieren

Überall, wo Risiken existieren, können sie durch Richtlinien minimiert werden. Diese beschreiben nämlich, wie man sich zu verhalten hat, damit die Risiken eben nicht eintreten.

Menschen wollen wissen, wie die Dinge laufen – erst recht im Sport. Skandale um Doping und Spielmanipulationen sowie die weltweit gewachsenen Zweifel am Sinn von Großveranstaltungen manifestieren sich. Die Bevölkerung lehnt per Bürgerentscheid Olympiabewerbungen ab oder veranstaltet Massendemonstrationen wie im Sommer 2013 während des FIFA Confederations Cups in Brasilien.

Die Kommission der Europäischen Union hat in der „Entwicklung der europäischen Dimension des Sports“ vom 18. Januar 2011 festgehalten: „Good Governance im Sport ist eine Voraussetzung für die Autonomie und die Selbstregulierung von Sportverbänden.“

Compliance ist die Klammer für Corporate Social Responsibility (CSR) und Governance.
Der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) wird primär in der Wirtschaft gebraucht und bezeichnet die Verantwortung eines Unternehmens nicht nur für den eigenen Erfolg, sondern darüber hinaus für die Gesellschaft, er betrifft also wiederum das nachhaltige Wirtschaften. Hinzu kommt die Wahrnehmung der Unternehmens- bzw. Verbandsverantwortung durch eine entsprechende Führungskultur und die dazugehörigen Prinzipien und Vorgehensweisen.

Das Prinzip Verantwortung gegen Korruption und Doping

Viele Verbände haben sich bereits zu diesen Prinzipien bekannt – auch IOC, FIFA, DFB etc., allerdings scheitert es an der Überwachung bzw. Umsetzung. Und diese Probleme müssen nun beseitigt werden.
Dies betrifft auch nationale sowie regionale Verbände und Vereine. Ein klares Bekenntnis zu Compliance und beispielhaft vorgelebte Compliance das Leben von beseitigen Risiken.

Handlungsempfehlung

Compliance im Bereich der Sportverbände und Sportgroßveranstaltungen gerät zunehmend in das Visier der Behörden. Die Verbände und Institutionen werden daher genau wie Banken, die Industrie und die Pharmabranche in Zukunft mit strengeren Regelwerken und einem strengeren regulatorischen Umfeld konfrontiert sein.

Unternehmen sind mittels neuer Compliance-Methoden dabei, Werte neu zu definieren bzw. wiederzuentdecken. Dabei steht das „Wir“ im Vordergrund. Neben der nach wie vor erforderlichen Vorbildfunktion des Unternehmensleiters sind mittlerweile alle Mitarbeiter, aber auch alle weiteren mit dem Unternehmen verbundenen Dritten, wie Gesellschafter, Lieferanten etc., diesen Gedanken verpflichtet. Es kommt darauf an, das Unternehmen und die Marke zu schützen – für sich selbst und für alle. Compliance ist eine gesellschaftliche Aufgabe.

Dieser Gedanke ist auf Sportorganisationen zu übertragen. Der Verein sollte sich also fragen lassen können:

  • Existieren klare Fairplay-Regeln (Compliance) im Verein?
  • Beherrschen die Verantwortlichen im Verein Fairplay und übernehmen eine Vorbildfunktion?
  • Beherrschen die Mitarbeiter im Verein Fairplay und übernehmen sie eine Vorbildfunktion?
  • Beherrschen die Sportler im Verein Fairplay und übernehmen eine Vorbildfunktion?
  • Wer liebt und lebt den Verein? Nur die Fans oder auch die Verantwortlichen und Sportler?
  • Wo ist das klare Bekenntnis?

Ein Compliance Management System hat sich in Bezug auf Nachhaltigkeit, Vorbildfunktion und Wettbewerbsvorteil nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Vereine als Vorteil herausgestellt.

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