Bundesregierung konkretisiert Wohnimmobilienkreditrichtlinie


Strengere Prüfung der Kreditwürdigkeit bei Immobilienkrediten?

Das Gesetz vom 21.03.2016 zur Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie hat in der Praxis zu Verunsicherungen geführt. Es wurde befürchtet, dass Darlehensgeber zukünftig zu restriktiv bei der Darlehensvergabe sein könnten.

Um mögliche Risiken für die Finanzstabilität auszuschließen, hatte die Bundesregierung die Richtlinie 2014/17/EU des Europäischen Parlaments über Wohnimmobilienkredite für Verbraucher am 21.03.2106 in deutsches Recht umgesetzt. Damit wurde eine strengere Prüfung der Kreditwürdigkeit bei der Vergabe von Immobilienkrediten eingeführt. Seit der Einführung allerdings entwickeln Kreditinstitute ein teilweise sehr unterschiedliches Verständnis zur Richtlinie.

Einheitliche Standards wurden am Markt nicht herausgebildet. So entstand bei einigen Marktteilnehmern die Befürchtung, keine Darlehen mehr zu erhalten, besonders älteren Menschen werde die Kreditaufnahme erschwert.

Durch den Gesetzentwurf, dem Finanzaufsichtsrechtergänzungsgesetz vom 23.01.2017 hat die Bundesregierung die Wohnimmobilienkreditrichtlinie konkretisiert.

Ein Kreditinstitut hat stets sorgfältig zu prüfen, ob ein Antragsteller zahlungsfähig ist. Diese Prüfung ist auch im Interesse der Verbraucher, da mit dem Kauf einer Immobilie eine hohe finanzielle Verpflichtung und hiermit verbunden hohe Risiken eingegangen werden.

Folgende Instrumente sollen einer möglichen Gefahr für die Finanzstabilität begegnen:

  • es wird eine Obergrenze für das Verhältnis zwischen Darlehenshöhe und Immobilienwert festgelegt;
  • es wird ein Zeitraum vorgegeben, in dem ein bestimmter Anteil des Darlehens getilgt werden muss;
  • es gibt eine Obergrenze für den Schuldendienst im Verhältnis zu dem Einkommen des Darlehensnehmers;
  • schließlich wird eine Obergrenze im Verhältnis Gesamtverschuldung und Einkommen bestimmt.

Für Verbraucher ist wichtig, dass klargestellt wird, dass auch künftig eine Wertsteigerung, die durch Baumaßnahmen oder Renovierungen der Wohnimmobilie erzielt wird, bei der Kreditwürdigkeitsprüfung berücksichtigt werden kann. Des Weiteren wird darauf hingewiesen, dass die gesetzlichen Beschränkungen keine Auswirkung haben auf:

  • Darlehen zum Aus-und Umbau sowie der Sanierung von Wohnimmobilien, die sich im Eigentum des Darlehensnehmers befinden (erforderliche Instandhaltungsmaßnahme, altersgerechter Umbau),
  • Maßnahmen der sozialen Wohnraumförderung,
  • sog. Immobilienverzehrkredite. Bei dieser Form des Kredits wird die Immobilie an ein Kreditinstitut verkauft. Hierfür wird eine lebenslange Rente sowie ein lebenslanges Wohnrecht gewährt sowie
  • Anschlussfinanzierungen.

Zudem gibt es Ausnahmeregelungen für

  • Kleinkredite (Freikontingent).
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Tags: #Wohnimmobilienkreditrichtlinie

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