Arbeitswelt 4.0


Überall und immer? Die arbeitsrechtlichen Herausforderungen bei mobiler Arbeit

Ob von zu Hause oder unterwegs: Durch mobile Technik, Smartphones, Tablets und Co. sind neue Formen des Arbeitens entstanden. Mehr Flexibilität führt zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, erspart lange Anfahrtswege und fördert selbstbestimmtes Arbeiten. Das kommt der Lebensplanung vieler Beschäftigten, vor allem der jungen Leistungsträger*innen, entgegen.

Doch längst nicht alle Unternehmen gestatten ihren Beschäftigten, im Homeoffice zu arbeiten. Und nicht alle, die diese Möglichkeit haben, nutzen sie auch. Laut einer Studie des Bundesarbeitsministeriums (Stand: November 2015) bietet knapp ein Drittel der befragten Betriebe die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten. Dagegen gestattet etwa die Hälfte der Betriebe mit über 500 Beschäftigten ein Homeoffice zu nutzen. Knapp 40 Prozent der Angestellten, die derzeit keine Möglichkeit haben im Homeoffice zu arbeiten, würden das aber gerne regelmäßig oder gelegentlich tun.

Äpfel und Birnen: Homeoffice & Mobiles Arbeiten

Oft werden Homeoffice und Telearbeit gleichgesetzt. Telearbeit ist eine Tätigkeit, die im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses regelmäßig außerhalb des Betriebs und mithilfe von Informations- und/oder Kommunikationstechniken erbracht wird.

Die am 03.12.2016 in Kraft getretene Änderung der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) bestimmt aber enge Voraussetzungen für Telearbeitsplätze: Das sind Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die eine wöchentliche Arbeitszeit und Dauer der Einrichtung vereinbart wurde. Diese starren Vorgaben machen die Telearbeit zum Auslaufmodell. Entsprechendes spiegelt sich auch in der Studie des Bundesarbeitsministeriums wider: Während die Arbeit im Homeoffice seit 2013 nicht zugenommen hat, erhöhte sich dagegen die dienstliche Erreichbarkeit der Beschäftigten außerhalb der Arbeitszeit.

Denn die von Arbeitnehmern oft gewünschte Flexibilität erreicht man nur mit einem nicht auf den häuslichen Bereich beschränkten Arbeitsort.

Das ist dann die von der ArbStättV nicht erfasste Mobile Arbeit beziehungsweise das Mobile Office: Ein fest zugewiesener Arbeitsplatz zu Hause besteht nicht. Der Arbeitnehmer kann mobil mit Laptop, Tablet und Smartphone von jedem beliebigen Ort aus arbeiten – etwa auf Reisen, auf dem Weg zum Arbeitsplatz und auch in den heimischen vier Wänden.

Mobile Arbeit hat zeitliche Grenzen – das ArbZG

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gilt auch für mobile Arbeit. So ist für mobile Arbeit eine werktägliche Maximalarbeitszeit von acht Stunden bestimmt. Sie kann auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen eine Durchschnittsarbeitszeit von acht Stunden nicht überschritten wird. Darüber hinaus regelt das Gesetz eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit. Das heißt, auch wenn der Arbeitnehmer wollte: Rund um die Uhr zu arbeiten ist nicht erlaubt. Nur leitende Angestellte sind noch von diesen Regelungen ausgenommen.

Und hier beginnen im 21. Jahrhundert die Probleme: Dem ArbZG liegt noch die rückständige Vorstellung zugrunde, dass es sich bei der Arbeitszeit um eine starre, messbare Einheit handelt. Gerade bei Mobiler Arbeit sind die Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit jedoch fließend. Kommt der zu Hause arbeitenden Arbeitnehmer etwa familiären Verpflichtungen nach, so handelt es sich nicht um Arbeitszeit. Auf diesen mitunter ständigen Wechsel von Arbeits- und Freizeit, der im Sinne einer größtmöglichen Flexibilität gewünscht ist, hat der Arbeitgeber keinen direkten Einfluss. Und auch das ist ja gerade so gewollt.

Trotzdem muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass die Regelungen des ArbZG eingehalten werden. Mehr noch: Das Gesetz verpflichtet Unternehmen, über die werktägliche Maximalarbeitszeit hinausgehende Arbeitszeit aufzuzeichnen und diese Nachweise mindestens zwei Jahre aufzubewahren.

Dass die bestehenden gesetzlichen Regelungen mit der zunehmenden Digitalisierung und Flexibilisierung der Arbeitswelt 4.0 nicht vereinbar sind, liegt auf der Hand. In dem kürzlich erschienen Weißbuch zur Arbeitswelt 4.0. des Bundesarbeitsministeriums wird das ebenfalls aufgegriffen. Und es werden flexiblere Arbeitszeitmodelle und eine Lockerung der Ruhezeitvorgaben diskutiert.

Bis auf Weiteres aber bleibt es dabei: Auch in der Arbeitswelt 4.0 gilt der Achtstundentag, maximal können es zehn Stunden werden. Und dann kommt die elfstündige Ruhezeit, in der nicht gearbeitet werden darf – auch nicht mobil und flexibel.

Gefährlich? Beurteilung von Arbeitsbedingungen

Arbeitgeber sind auch bei mobiler Arbeit für den Gesundheitsschutz ihrer Arbeitnehmer zuständig.

Neben dem Arbeitszeitgesetz sind es vor allem das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), die Schutzmechanismen vorsehen. Diese gelten uneingeschränkt – im Gegensatz zur Arbeitsstättenverordnung – auch für mobile Arbeit.

Die Gefährdungsbeurteilung spielt eine wichtige Rolle und kann auch den Schutz vor psychischen Belastungen bei der Arbeit einschließen. Sind die Gefahren einmal erkannt, werden sie mit Maßnahmen des Arbeitsschutzes gemindert beziehungsweise beseitigt.

Mobile Arbeit & Mitbestimmung

Der Betriebsrat hat auch bei mobiler Arbeit, in der Arbeitswelt 4.0, Informations- und Mitbestimmungsrechte. Möchte der Betriebsrat wissen, wie viele Beschäftigte von zu Hause aus arbeiten und mit welchen technischen Mitteln sie dabei ausgestattet sind, so kann er die Information darüber erwirken. Die erzwingbaren Mitbestimmungsrechte bei sozialen Angelegenheiten schaffen Befugnisse, die über die Einigungsstelle durchgesetzt werden können:

  • Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich Pausen und Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage,
  • vorübergehende Verkürzung oder Verlängerung der betriebsüblichen Arbeitszeit,
  • Einführung und Anwendung von technischen Einrichtungen; insbesondere Einführung mobiler Geräte, um mobile Arbeit zu ermöglichen,
  • Regelungen zum Arbeitsschutz im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften oder Unfallverhütungsvorschriften.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Der Trend zur mobilen Arbeit geht mit der Digitalisierung weiter. Moderne Telekommunikationsmittel schaffen die Möglichkeit des orts- und zeitflexiblen Arbeitens. Es sind die Rahmenbedingungen, die entscheiden, ob sich Arbeitsort- und Arbeitszeitflexibilität positiv auf die Gesundheit und die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten auswirken: Deshalb werden gut aufgestellte Unternehmen für transparente und eindeutige Regelungen zum mobilen Arbeiten sorgen.

Das geltende Recht, insbesondere das ArbZG, ist die Grundlage. Handelt ein Unternehmen vorsätzlich oder fahrlässig entgegen der Vorschriften, so kann ein Bußgeld von bis zu € 15.000,00 verhängt werden. Wird die Gesundheit der Arbeitnehmer dabei vorsätzlich gefährdet, so drohen eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr. Ob und wie die Regelungen des ArbZG in Zukunft flexibler gestaltet werden, ist völlig offen.

Gut beratene Unternehmen stellen sich den Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0 und nutzen die Chancen der Digitalisierung und der neuen Telekommunikationstechnologien – vor allem auch arbeitsrechtlich. Das ist durch die Gestaltung von Betriebsvereinbarungen möglich, zum Beispiel mit Regelungen zu

  • Arbeitsort- und Arbeitszeitflexibilität,
  • Einsatz von Laptops, Tablets, Smartphones am Arbeitsplatz (im Betrieb oder auch zu Hause und unterwegs),
  • Homeoffice und mobiler Arbeit.

In einer technikfreundlichen und damit zukunftsfähigen Firmenkultur werden so flexible Arbeitsbedingungen geschaffen. Die Zufriedenheit und Leistungsbereitschaft der Beschäftigten wird gefördert. So meistern Unternehmen die arbeitsrechtlichen Herausforderungen der mobilen Arbeit.

Seite als PDF sichern

Tags: #Arbeitszeit, #Arbeit 4.0, #Betriebsrat, #Digitalisierung, #Flexibilisierung, #Homeoffice, #Laptop, #Mitbestimmung, #Mobile Arbeit, #psychische Belastung, #Smartphone, #Tablet, #Überstunden, #Weißbuch zum Arbeiten 4.0

Artikel versenden